{"id":593,"date":"2019-10-07T00:55:08","date_gmt":"2019-10-06T23:55:08","guid":{"rendered":"http:\/\/dkpsh.uber.space\/?p=593"},"modified":"2019-10-07T01:06:42","modified_gmt":"2019-10-07T00:06:42","slug":"70-jahre-ddr-am-menschen-orientiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dkpsh.uber.space\/?p=593","title":{"rendered":"70 Jahre DDR: Am Menschen orientiert"},"content":{"rendered":"<h3><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-594 alignleft\" src=\"http:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der-zukunft-zugewandt.jpg\" alt=\"\" width=\"2365\" height=\"1189\" srcset=\"https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der-zukunft-zugewandt.jpg 2365w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der-zukunft-zugewandt-300x151.jpg 300w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der-zukunft-zugewandt-768x386.jpg 768w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der-zukunft-zugewandt-1024x515.jpg 1024w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der-zukunft-zugewandt-676x340.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 2365px) 100vw, 2365px\" \/>Wir sind es leid! <\/strong><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>Die Propaganda-L\u00fcgen der Herrschenden machen wir nicht mit, denn wir wissen wof\u00fcr sie diese brauchen: Sie sollen den Menschen, die immer mehr begreifen, dass dieses kapitalistische System ihnen die Zukunft raubt, den Blick auf die wirkliche Alternative nehmen \u2013 auf den Sozialismus.<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>Wir halten es (nicht nur) am 70. Jahrestag der DDR mit dem deutschen Dramatiker, Lyriker, Erz\u00e4hler und Essayist Peter-Hacks und rufen laut aus: &#8222;Wessen sollten wir uns r\u00fchmen, wenn nicht der DDR?&#8220;<\/strong><\/h3>\n<h4>Staatlich verordnete Armut durch Agenda 2010, kaum bezahlbarer Wohnraum, monatelanges Warten auf einen Facharzttermin, zu wenig M\u00f6glichkeiten wohnortnaher, qualifizierter Kinderbetreuung, fehlende Ausbildungspl\u00e4tze und BAf\u00f6G-Antr\u00e4ge, die schon durch ihren schieren Umfang daf\u00fcr sorgen, dass weniger Antr\u00e4ge gestellt werden, als es Berechtigte g\u00e4be \u2013 von diesen Bedingungen ist der Alltag der Menschen in Deutschland gepr\u00e4gt.<\/h4>\n<h4>Das Leben der Menschen in der BRD ist \u2013 wie alles \u2013 dem Profit untergeordnet. Warum f\u00fcr einen KiTa-Platz um die Ecke sorgen, wenn die Berufst\u00e4tige auch trotz eines Wegs von einer halben Stunde p\u00fcnktlich bei der Arbeit erscheint oder M\u00fctter mit Teilzeitjobs, Kindern und Haushalt jonglieren k\u00f6nnen? Warum vern\u00fcnftige Verkehrskonzepte planen, wenn man auch durch den Berufsverkehr zur Arbeit kommt?<\/h4>\n<h4>Wie kann das Leben, der Alltag, aussehen, wenn nicht der Profit, sondern die Bed\u00fcrfnisse der Menschen im Vordergrund stehen?<\/h4>\n<p><!--more--><\/p>\n<h4>In der DDR waren 92 Prozent der Frauen erwerbst\u00e4tig. Sie konnten es sein, weil es betriebliche Kinderbetreuung gab, W\u00e4schereien, in denen auf dem Weg zur Arbeit die W\u00e4sche abgegeben werden konnte und, falls alle Stricke rissen, auch mal einen \u201eHaushaltstag\u201c frei genommen werden konnte \u2013 ohne damit den Jahresurlaub zu verk\u00fcrzen. In einem einheitlichen Bildungswesen lernten Kinder von der Krippe bis zur Berufsausbildung und dem Studium, die Erziehung der Kinder war gesellschaftliche Aufgabe, nicht privates Problem.<\/h4>\n<div id=\"attachment_595\" style=\"width: 756px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-595\" class=\"size-full wp-image-595\" src=\"http:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Mehr-als-nur-Arbeit-Die-junge-Facharbeiterin-des-Eisenh\u00fcttenkombinats-Ost-tanzt-in-ihrer-Freizeit-in-der-Balletgruppe-des-Kombinats-Foto-UZ-Archiv.jpg\" alt=\"\" width=\"746\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Mehr-als-nur-Arbeit-Die-junge-Facharbeiterin-des-Eisenh\u00fcttenkombinats-Ost-tanzt-in-ihrer-Freizeit-in-der-Balletgruppe-des-Kombinats-Foto-UZ-Archiv.jpg 746w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Mehr-als-nur-Arbeit-Die-junge-Facharbeiterin-des-Eisenh\u00fcttenkombinats-Ost-tanzt-in-ihrer-Freizeit-in-der-Balletgruppe-des-Kombinats-Foto-UZ-Archiv-300x128.jpg 300w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Mehr-als-nur-Arbeit-Die-junge-Facharbeiterin-des-Eisenh\u00fcttenkombinats-Ost-tanzt-in-ihrer-Freizeit-in-der-Balletgruppe-des-Kombinats-Foto-UZ-Archiv-676x288.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px\" \/><p id=\"caption-attachment-595\" class=\"wp-caption-text\">Mehr als nur Arbeit: Junge Facharbeiterin (Foto: UZ-Archiv)<\/p><\/div>\n<h4>Die in der BRD oft verlachten Plattenbauten l\u00f6sten nicht nur die dringenden Probleme des Wohnraums, sondern folgten einem Konzept, das die Siedlungen (anders als Hochhaus-Ghettos im Westen) zu tats\u00e4chlichen Lebensr\u00e4umen machten. Zentral dabei war, dass es in Plattenbaubezirken Sozialeinrichtungen wie Kinderg\u00e4rten, Jugendclubs, die HO-Gastst\u00e4tte und Einkaufsm\u00f6glichkeiten gab \u2013 f\u00fcr die Bewohner zu Fu\u00df bequem erreichbar.<\/h4>\n<h4>Kulturelle Teilhabe \u2013 in der heutigen BRD f\u00fcr viele nicht mehr zu bezahlen \u2013 war wesentliches Merkmal des Alltagslebens in der DDR. Staatlich subventionierte B\u00fccher, Theater und Opernh\u00e4user geh\u00f6rten dazu genauso wie Kulturh\u00e4user in Wohnbezirken, Betriebssportvereine und die \u201eWoche des Buches\u201c.<\/h4>\n<h4>Mehr-Klassen-Medizin, in der der eine sofort dran kommt und der andere Monate wartet, gab es in der DDR nicht. Mit einem System von Polikliniken, in denen die unterschiedlichen \u00c4rzte und Fach\u00e4rzte geb\u00fcndelt waren, stand der Bev\u00f6lkerung medizinische Versorgung verschiedener Fachrichtung zur ambulanten Behandlung zur Verf\u00fcgung.<\/h4>\n<h2><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-596 alignright\" src=\"http:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/cms-image-000006640.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"995\" srcset=\"https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/cms-image-000006640.jpg 1000w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/cms-image-000006640-150x150.jpg 150w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/cms-image-000006640-300x300.jpg 300w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/cms-image-000006640-768x764.jpg 768w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/cms-image-000006640-676x673.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/strong><\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Friedensmacht<\/strong><\/h2>\n<h3><strong>Vor 70 Jahren wurde die DDR gegr\u00fcndet<\/strong><\/h3>\n<h4>Milit\u00e4rtransporte quer durch die Republik, um NATO-Man\u00f6ver an der Grenze zu Russland durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen? K\u00fcndigung des INF-Vertrages durch die USA, Krieg in Europa? Seit 1990 fehlt es an einer milit\u00e4rischen Gegenmacht, die dem Imperialismus seine Grenzen aufzeigt. Die DDR war eine solche Gegenmacht. Sie war ein bewaffneter Friedensstaat.<\/h4>\n<h4>Drei Autoren \u2013 Dieter W. Feuerstein, Uli Brockmeyer und Arnold Sch\u00f6lzel \u2013 schreiben \u00fcber ihre Sicht auf und ihre T\u00e4tigkeit f\u00fcr die DDR.<\/h4>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Milit\u00e4rische Gegenmacht<\/strong><\/h2>\n<h3><strong>Die DDR hat Krieg verhindert. Ihr Erbe ist f\u00fcr die Friedensbewegung enorm wichtig<\/strong><\/h3>\n<h5><em>Von Arnold Sch\u00f6lzel*<\/em><\/h5>\n<h4>Am 9. November 2014 waren die deutschen Gro\u00dfmedien und die etablierten Parteien der alten Bundesrepublik vollauf damit besch\u00e4ftigt, das, was sie \u201eMauerfall\u201c nennen, was aber eine Grenz\u00f6ffnung war, zu feiern. An diesem 25. Jahrestag stellten junge Leute auf dem Berliner Alexanderplatz ein Transparent auf, das fast \u00fcber den halben Platz reichte. Auf ihm war zu lesen: \u201eDiese Grenze wurde aufgehoben, damit wir gemeinsam wieder in den Krieg ziehen.\u201c<\/h4>\n<h4>Die Initiatoren fanden Vergn\u00fcgen an der Aktion, gr\u00fcndeten den Verein \u201eUnentdecktes Land\u201c und stellten das Transparent am 3. Oktober 2015 und am 13. August 2016 erneut in Berlin auf.<\/h4>\n<h4>Knapper als in diesem Satz l\u00e4sst sich kaum zusammenfassen, was die DDR in der deutschen Geschichte bedeutete. Ich halte seine Propagierung f\u00fcr eine der besten Aktionen f\u00fcr Frieden in den vergangenen Jahren.<\/h4>\n<h4>Er gibt eine konkrete Erfahrung wieder: Ein sozialistischer Staat ben\u00f6tigt keinen Krieg, ist aber vom ersten Tag seiner Existenz an dazu gezwungen, sich bewaffnet zu verteidigen, Grenzen zu ziehen. Eine kapitalistische Umgebung bedeutet Konterrevolution und Krieg.<\/h4>\n<h4>Das war die Erfahrung der Sowjetunion. Armeegeneral Heinz Ke\u00dfler (1920\u20132017), von 1985 bis 1989 DDR-Verteidigungsminister, erinnerte 2016 daran, dass diese Lehre schon vor dem Sieg \u00fcber den Faschismus f\u00fcr ein k\u00fcnftiges Deutschland gezogen wurde: \u201eIn meiner Diskussionsrede auf der Gr\u00fcndungskonferenz des Nationalkomitees \u201aFreies Deutschland\u2019 (NKFD) in Krasnogorsk am 12.\/13. Juli 1943 habe ich leidenschaftlich vor allem im Interesse der deutschen Jugend appelliert: \u201aWir wollen ein Deutschland, wo die Voraussetzung geschaffen ist, dass es nie wieder einen solchen Krieg gibt.\u2019\u201c<\/h4>\n<div id=\"attachment_597\" style=\"width: 914px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-597\" class=\"size-full wp-image-597\" src=\"http:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bei-Planung-und-Bau-neuer-Siedlungen-standen-neben-dringend-ben\u00f6tigtem-Wohnraum-soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt.-Foto-UZ-Archiv.jpg\" alt=\"\" width=\"904\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bei-Planung-und-Bau-neuer-Siedlungen-standen-neben-dringend-ben\u00f6tigtem-Wohnraum-soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt.-Foto-UZ-Archiv.jpg 904w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bei-Planung-und-Bau-neuer-Siedlungen-standen-neben-dringend-ben\u00f6tigtem-Wohnraum-soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt.-Foto-UZ-Archiv-271x300.jpg 271w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bei-Planung-und-Bau-neuer-Siedlungen-standen-neben-dringend-ben\u00f6tigtem-Wohnraum-soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt.-Foto-UZ-Archiv-768x850.jpg 768w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bei-Planung-und-Bau-neuer-Siedlungen-standen-neben-dringend-ben\u00f6tigtem-Wohnraum-soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt.-Foto-UZ-Archiv-676x748.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 904px) 100vw, 904px\" \/><p id=\"caption-attachment-597\" class=\"wp-caption-text\">Bei Planung und Bau neuer Siedlungen&#8230; (Foto: UZ-Archiv)<\/p><\/div>\n<h4>Dieses Zitat stammt aus einer Brosch\u00fcre mit dem Titel \u201eSoldaten f\u00fcr den Frieden\u201c, die mich \u00e4hnlich wie \u201eUnentdecktes Land\u201c beeindruckt hat. Das Heft wurde 2017 von der \u201eInitiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angeh\u00f6riger der bewaffneten Organe und der Zollverwaltung der DDR e.\u2009V.\u201c (ISOR) und dem \u201eVerband zur Pflege der Traditionen der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR\u201c herausgegeben. Es enth\u00e4lt den titelgebenden Appell f\u00fchrender DDR-Milit\u00e4rs und lesenswerte Beitr\u00e4ge, in denen sie begr\u00fcnden, was sie zu dessen Unterzeichnung bewogen hat.<\/h4>\n<h4>In dem 2015 zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus zuerst ver\u00f6ffentlichten Appell hei\u00dft es, dass \u201edas Kriegsgeschehen wiederum Europa erreicht hat\u201c. Die Strategie der USA ziele offensichtlich darauf ab, \u201eRussland als Konkurrenten auszuschalten und die Europ\u00e4ische Union zu schw\u00e4chen\u201c. Die NATO sei immer n\u00e4her an die Grenzen Russlands heranger\u00fcckt und mit dem \u201eVersuch, die Ukraine in die EU und in die NATO aufzunehmen, sollte der Cordon sanitaire von den baltischen Staaten bis zum Schwarzen Meer geschlossen werden, um Russland vom restlichen Europa zu isolieren\u201c. Zusammenfassend hei\u00dft es: \u201eDie forcierte Militarisierung Osteuropas ist kein Spiel mit dem Feuer \u2013 es ist ein Spiel mit dem Krieg!\u201c Gewarnt wird, hier beginne bereits \u201eein Verbrechen an der Menschheit\u201c.<\/h4>\n<h4>Es ist kein Zufall, dass dies von DDR-Milit\u00e4rs ausgeht. Das Wissen um die Folgen eines Krieges im dichtbesiedelten Europa hat mit zur Gr\u00fcndung der DDR beigetragen und ihre Milit\u00e4rpolitik gepr\u00e4gt. Es war das Wissen nicht nur von Kommunisten, sondern auch von b\u00fcrgerlichen Politikern und von ehemaligen Wehrmachtsmilit\u00e4rs, die \u00fcber das NKFD an die Seite der KPD und der SED gelangten. Ke\u00dfler beschrieb die Lage nach 1945 in Europa so: \u201eDer Pulverdampf war noch nicht verzogen, da begann man im Westen des Landes im engen Zusammenwirken mit den USA mit der Wiederaufr\u00fcstung der BRD. Das konnten und durften wir nicht ohne entsprechende Gegenma\u00dfnahmen zulassen.\u201c<\/h4>\n<h4>Vor allem aber: Immer wieder dr\u00e4ngten politische und milit\u00e4rische F\u00fchrung der BRD darauf, den Kalten Krieg in einen hei\u00dfen umschlagen zu lassen. Hier sei ein Beispiel aus dem August 1960 angef\u00fchrt. Damals war ein Papier bekannt geworden, in dem Generale der Bundeswehr deren Atombewaffnung forderten. Inhalt und Ton f\u00fchrten zu heftigen Reaktionen auch im westlichen Ausland. Im Text hie\u00df es: \u201eDer Bolschewismus respektiert nur die Macht, sonst nichts (\u2026). Die Bundeswehr kann weder auf die allgemeine Wehrpflicht noch auf die Zugeh\u00f6rigkeit zur NATO, noch auf eine atomare Bewaffnung verzichten. Wenn die Bundeswehr diese milit\u00e4rischen Forderungen stellt, greift sie nicht in die Parteipolitik ein (\u2026). Es ist aber Aufgabe der Bundeswehr, der politischen F\u00fchrung rechtzeitig und klar zu sagen, welche Mittel sie zur Erf\u00fcllung ihres Auftrages braucht und was sie mit den ihr bewilligten Mitteln leisten kann.\u201c<\/h4>\n<h4>Diese Strategen waren unbelehrbar, wie ich 1967 als Angeh\u00f6riger der Bundeswehr selbst erfahren konnte, und ihre heutigen Nachfolger, die zum Beispiel \u00f6ffentlich von einem neuen Krieg wie im Kosovo tr\u00e4umen, sind es auch. Sie respektieren nur milit\u00e4rische Gegenmacht. Die fehlt in der Mitte Europas seit 1990. Wenn heute die Aktivisten von \u201eUnentdecktes Land\u201c oder erfahrene Milit\u00e4rs ihre Stimme gegen Krieg und Kriegsvorbereitung erheben, dann hat das zwingend mit dem DDR-Erbe zu tun. Seine Pflege und Verbreitung ist aus meiner Sicht f\u00fcr die deutsche Friedensbewegung insgesamt enorm wichtig.<\/h4>\n<h4><em>*Arnold Sch\u00f6lzel (Jahrgang 1947) desertierte 1967 aus der Bundeswehr, um dem Wehrdienst zu entgehen und siedelte in die DDR \u00fcber. Er arbeitete zun\u00e4chst als Hilfsarbeiter, studierte Philosophie an der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin und promovierte 1982.<\/em><\/h4>\n<h4><em>Sch\u00f6lzel war von 2000 bis Ende Juli 2016 Chefredakteur und bis Ende M\u00e4rz 2019 stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung \u201ejunge Welt\u201c. Er ist seit dem 1. April 2019 Chefredakteur der Monatsschrift \u201eRotFuchs\u201c<\/em><\/h4>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>\u201eWir m\u00fcssen den Gegner zum Frieden zwingen\u201c<\/strong><\/h2>\n<h3><strong>Warum DDR-Spione \u201eKundschafter f\u00fcr den Frieden\u201c waren<\/strong><\/h3>\n<h5><em>Von Dieter W. Feuerstein*<\/em><\/h5>\n<div id=\"attachment_598\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-598\" class=\"size-full wp-image-598\" src=\"http:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt-2-Foto-UZ-Archiv.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"663\" srcset=\"https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt-2-Foto-UZ-Archiv.jpg 1000w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt-2-Foto-UZ-Archiv-300x199.jpg 300w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt-2-Foto-UZ-Archiv-768x509.jpg 768w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/soziale-Einrichtungen-im-Mittelpunkt-2-Foto-UZ-Archiv-676x448.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-598\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;standen soziale Einrichtungen im Mittelpunkt. (Foto: UZ-Archiv)<\/p><\/div>\n<h4>\u201eWie konntest du nur f\u00fcr ein solches Regime arbeiten?\u201c Ja, in der Tat, da gab es schon einiges an kulturellen und gesellschaftlichen Unterschieden zum anderen Teil Deutschlands. Nicht wenigen erschien das Leben im Westen besser, oder zumindest einfacher. Dar\u00fcber, dass dort das \u201eEinfacher\u201c direkt zusammen hing mit der H\u00f6he des verf\u00fcgbaren Kontostands, war vielen nicht wirklich bewusst. Wo sollten diese Erfahrungen auch herkommen? Waren die elementaren Bed\u00fcrfnisse doch erf\u00fcllt. Angst vor Hunger, Obdachlosigkeit, sozialem Abseits durch Arbeitslosigkeit und weiterer \u201eErrungenschaften\u201c einer auf privaten Profit ausgerichteten Gesellschaft brauchte in der DDR nun wirklich niemand zu haben.<\/h4>\n<h4>Seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst; in Sachen Agitation und Propaganda war die BRD der DDR immer \u00fcberlegen. Wohl doch kein Zufall, dass montags um 21 Uhr regelm\u00e4\u00dfig attraktive Filme auf den Westkan\u00e4len liefen und Karl-Eduard von Schnitzler, der in seiner w\u00f6chentlichen Sendung \u201eDer Schwarze Kanal\u201c mit Ausschnitten aus Westreportagen einen anderen Blick auf die BRD vermitteln wollte, mit Spott und H\u00e4me \u00fcberzogen wurde.<\/h4>\n<h4>Das macht die Sache \u2013 gerade \u201eWessis\u201c gegen\u00fcber \u2013 nicht einfacher mit der Antwort auf die eingangs gestellte Frage, die im Grunde weniger als Frage, denn als Vorwurf gemeint ist. Auch erlebte ich eine Zeit erheblicher Selbstzweifel, als immer mehr Glatzk\u00f6pfe das Stra\u00dfenbild im Osten pr\u00e4gten, die Ossis nicht den kleinen Finger r\u00fchrten, als die Goldgr\u00e4ber aus dem wilden Westen sich ihr Volkseigentum unter den Nagel rissen, die Sozialsicherungen herausgeschraubt, Renten mit Strafen belegt, akademische Titel entzogen und die Menschen ihrer Lebensleistung beraubt wurden.<\/h4>\n<h4>Sechs Tage nach der Vereinigung ging es f\u00fcr mich erst mal in den Knast. Nach Ende der Isolation war ich der \u2013 um ein Vielfaches gesteigerter \u2013 Propaganda hilflos ausgeliefert. Zuspruch gab es in dieser Zeit bestenfalls von W\u00e4rtern, die aus allen Teilen der DDR zur Umschulung in den Westen geschickt wurden, oder von jenen kleinkriminellen Mitgefangenen, die bereits entsprechende Einrichtungen in Jena oder Bautzen kannten und mir fast einvernehmlich versicherten, dass das Essen f\u00fcr Inhaftierte in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen viel besser schmecke als das in M\u00fcnchen-Stadelheim.<\/h4>\n<h4>Auf den Boden der Realit\u00e4t brachten mich dann \u2013 nur drei Monate sp\u00e4ter \u2013 die politischen Realit\u00e4ten. Seit den Tagen im Mai des Jahres 1945 k\u00e4mpfte kein deutscher Soldat mehr in fremden L\u00e4ndern. Und nun, im Januar 1991, stritten die Abgeordneten im Bundestag dar\u00fcber, ob das Grundgesetz ge\u00e4ndert oder neu interpretiert werden m\u00fcsse. Was war geschehen? Eine Allianz westlicher Staaten bereitete einen Krieg gegen den Irak vor und das neue Gro\u00dfdeutschland wollte unbedingt dabei sein; noch verhalten zwar durch AWACS-Besatzung und Alpha-Jet-Staffel, aber immerhin: Der Einstieg war geschafft.<\/h4>\n<div id=\"attachment_600\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-600\" class=\"size-full wp-image-600\" src=\"http:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Plantschen-direkt-vor-der-Haust\u00fcr-Neben-der-Einrichtung-einer-Poststelle-von-Gesch\u00e4ften-und-einer-W\u00e4scherei-wurde-im-Neubau-Viertel-in-Leipzig-Lindenau-auch-an-die-Kinder-gedacht-Foto-UZ-Archiv.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"733\" srcset=\"https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Plantschen-direkt-vor-der-Haust\u00fcr-Neben-der-Einrichtung-einer-Poststelle-von-Gesch\u00e4ften-und-einer-W\u00e4scherei-wurde-im-Neubau-Viertel-in-Leipzig-Lindenau-auch-an-die-Kinder-gedacht-Foto-UZ-Archiv.jpg 1000w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Plantschen-direkt-vor-der-Haust\u00fcr-Neben-der-Einrichtung-einer-Poststelle-von-Gesch\u00e4ften-und-einer-W\u00e4scherei-wurde-im-Neubau-Viertel-in-Leipzig-Lindenau-auch-an-die-Kinder-gedacht-Foto-UZ-Archiv-300x220.jpg 300w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Plantschen-direkt-vor-der-Haust\u00fcr-Neben-der-Einrichtung-einer-Poststelle-von-Gesch\u00e4ften-und-einer-W\u00e4scherei-wurde-im-Neubau-Viertel-in-Leipzig-Lindenau-auch-an-die-Kinder-gedacht-Foto-UZ-Archiv-768x563.jpg 768w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Plantschen-direkt-vor-der-Haust\u00fcr-Neben-der-Einrichtung-einer-Poststelle-von-Gesch\u00e4ften-und-einer-W\u00e4scherei-wurde-im-Neubau-Viertel-in-Leipzig-Lindenau-auch-an-die-Kinder-gedacht-Foto-UZ-Archiv-676x496.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-600\" class=\"wp-caption-text\">Plantschen direkt vor der Haust\u00fcr (Foto: UZ-Archiv)<\/p><\/div>\n<h4>Da taten die so oft geh\u00f6rten Worte meines F\u00fchrungsoffiziers und Referatsleiters der Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung, zu dessen Aufgabe es geh\u00f6rte, die Quellen im Operationsgebiet bei Laune zu halten, ihre nachhaltige Wirkung. \u201eDieter, wir m\u00fcssen den Gegner zum Frieden zwingen \u2013 von alleine ist er dazu nicht bereit.\u201c<\/h4>\n<h4>Jetzt, da die Geschichte ihre Wahrheit offenbart hatte, musste kein Gedanke mehr daran verschwendet werden, ob diese Worte Propagandafloskeln waren oder aus der psychologischen Trickkiste stammten. Neben der konsequenten Umsetzung der Erfahrungen des 2. Weltkriegs und der faschistischen Barbarei geh\u00f6rte der absolute Friedenswille der DDR zu den entscheidenden Gr\u00fcnden, meinen pers\u00f6nlichen und beruflichen Werdegang in den Dienst der DDR zu stellen.<\/h4>\n<h4>Als Offizier der DDR-Aufkl\u00e4rung geh\u00f6rt es sich nun mal, Befehlen Gehorsam zu schenken. Auch dann, wenn es einem gegen den Strich geht. In den 1980ern sollte ich innerhalb des gr\u00f6\u00dften westdeutschen R\u00fcstungskonzerns eine neue Stelle antreten. Zum ersten Mal Personalverantwortung, ein eigenes Projekt und ein gewaltiger Verdienstzuwachs erwarteten mich. Der angedachte Aufgabenbereich war der Vorl\u00e4ufer des Abfangj\u00e4gers \u201eEurofighter\u201c und nicht l\u00e4nger das mit Atombomben best\u00fcckte Angriffsflugzeug Tornado.<\/h4>\n<h4>Die Entscheidung, dieses Angebot auszuschlagen, erfolgte \u2013 vermutlich in enger Abstimmung mit unseren Freunden in Moskau \u2013 einzig im Hinblick auf die Sicherheitsinteressen der Staaten des Warschauer Vertrags. H\u00e4tte auch nur ansatzweise die Absicht bestanden, den Westen zu \u00fcberfallen, h\u00e4tte ich den Auftrag erhalten, gegen die Westverteidigung vorzugehen. So aber blieb es dabei, im Rahmen meiner M\u00f6glichkeiten alles daf\u00fcr zu tun, dass aus dem Waffensystem \u201eTornado\u201c ein fliegender Papiertiger wird.<\/h4>\n<h4>Welche Gedanken und Absichten dahinter standen, ein ziviles Verkehrsflugzeug heimlich und unerkannt mit Spionagetechnik auszustatten, mag sich jeder selbst vorstellen. Dass es der DDR-Aufkl\u00e4rung gemeinsam gelang, dem Westen auch hier kr\u00e4ftig in die Suppe zu spucken, erf\u00fcllt mich bis heute mit Stolz. Zum nachrichtendienstlichen Handwerk geh\u00f6rt selbstverst\u00e4ndlich das Prinzip \u201ejeder erf\u00e4hrt nur das, was er zur Erf\u00fcllung seines Auftrags ben\u00f6tigt\u201c. So kann ich nur vermuten, dass diese Aktion ausschlaggebend daf\u00fcr war, mir den Leninorden, die h\u00f6chste Auszeichnung der Sowjetunion, zu verleihen. Da war es mal wieder gelungen, eine milit\u00e4rische Provokation des Gegners bereits im Keim zu ersticken.<\/h4>\n<h4>Auftrag erf\u00fcllt!<\/h4>\n<h4><em>* Dieter W. Feuerstein (Jahrgang 1955) war an der Technischen Universit\u00e4t Westberlin t\u00e4tig, arbeitete dann als Diplomingenieur bei Messerschmitt-B\u00f6lkow-Blohm, wo unter anderem Teile der Kampfflugzeuge \u201eTornado\u201c und \u201eEurofighter\u201c f\u00fcr NATO-Staaten gebaut wurden.<\/em><\/h4>\n<h4><em>Er war von 1973 bis zum 3. Oktober 1990 Angeh\u00f6riger der Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit der DDR, letzter Dienstgrad: Major. Seine Enttarnung und Festnahme erfolgte am 9. Oktober 1990. Feuerstein wurde zu acht Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt, seine Haftzeit dauerte dann vom 9. Oktober 1990 bis zum 7. Oktober 1994.<\/em><\/h4>\n<h2><\/h2>\n<h2><strong>Indoktrination f\u00fcr den Frieden<\/strong><\/h2>\n<h3><strong>Erinnerungen an den Friedensstaat DDR<\/strong><\/h3>\n<h5><em>Von Uli Brockmeyer*<\/em><\/h5>\n<h4><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-601 alignright\" src=\"http:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gruendungddr102_v-contentgross.jpg\" alt=\"\" width=\"568\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gruendungddr102_v-contentgross.jpg 568w, https:\/\/dkpsh.uber.space\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/gruendungddr102_v-contentgross-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/>Dieser Tage fiel mir eine alte, leicht vergilbte Fotografie in die H\u00e4nde, aufgenommen vor rund 60 Jahren in meiner Heimatstadt Brandenburg, der damaligen Stahlarbeiterstadt an der Havel. Die Stadt liegt, wie seit \u00fcber tausend Jahren, heute immer noch an der Havel, nur von den zeitweise rund zehntausend Stahlarbeitern ist nicht viel mehr als eine Erinnerung geblieben \u2026<\/h4>\n<h5>Auf dem Foto ist eine belebte Stra\u00dfenecke im Zentrum der Stadt zu sehen, das damals noch von einigen Ruinen aus dem Zweiten Weltkrieg gezeichnet war. An einer Giebelwand ein gro\u00dfes Wandbild, das drei Jugendliche vor der Fahne der Freien Deutschen Jugend zeigt und dazu die Aufforderung: \u201eK\u00e4mpft mit der Jugend f\u00fcr Frieden und Wohlstand!\u201c<\/h5>\n<h4>Zu jener Zeit hatte ich im Kindergarten des Volkseigenen Betriebes (VEB) Stahl- und Walzwerk das Lied von der kleinen wei\u00dfen Friedenstaube gelernt, wie tausende andere Kinder in der jungen DDR in hunderten anderen Kinderg\u00e4rten:<\/h4>\n<h4>\u201eKleine wei\u00dfe Friedenstaube,<\/h4>\n<h4>fliege \u00fcbers Land.<\/h4>\n<h4>Allen Menschen, gro\u00df\u2018 und kleinen,<\/h4>\n<h4>bist Du wohlbekannt\u201c.<\/h4>\n<h4>In einer weiteren Strophe hei\u00dft es:<\/h4>\n<h4>\u201eFliege \u00fcbers gro\u00dfe Wasser,<\/h4>\n<h4>\u00fcber Berg und Tal,<\/h4>\n<h4>bringe allen Menschen Frieden,<\/h4>\n<h4>gr\u00fc\u00df sie tausendmal\u201c<\/h4>\n<h4>Indoktrination, sagen manche dazu. Man k\u00f6nnte sogar sagen, eine Anma\u00dfung, so wenige Jahre nach dem Krieg, den Deutsche \u00fcber die halbe Welt hereingebrochen hatten. Vielleicht war es eine Anma\u00dfung \u2013 aber nicht weniger als eben das, den Wunsch nach Frieden auf der ganzen Welt, hatte sich der junge Staat DDR auf die Fahnen geschrieben.<\/h4>\n<h4>Nachdem ich in der Heinrich-Heine-Schule endlich das ABC beherrschen gelernt hatte, konnte ich auch nach und nach erfassen, was dort im Foyer mit ehernen Buchstaben an der Wand zu lesen war: \u201eLa\u00dft das Licht des Friedens scheinen, da\u00df nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint.\u201c<\/h4>\n<h4>Zeilen aus der Nationalhymne der DDR, geschrieben von dem deutschen Kommunisten Johannes R. Becher \u2013 Zeilen, verlacht und verspottet jenseits der Elbe damals als \u201eSpalterhymne\u201c; und verachtet, auch weil da von Frieden die Rede war.<\/h4>\n<h4>Als Kinder standen wir im Mai oft an den Stra\u00dfen, wenn die Friedensfahrt, die Internationale Radfernfahrt f\u00fcr den Frieden, die jeweils am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, in Berlin, Prag oder in Warschau gestartet wurde, wieder einmal durch unsere Stadt kam. Wir fieberten den pfeilschnellen Fahrern entgegen, jubelten \u201eT\u00e4ve, T\u00e4ve\u201c, auf der Suche nach unserem Spitzenfahrer \u201eT\u00e4ve\u201c Schur, und freuten uns \u00fcber den Anblick der Fahrer der jeweils besten Mannschaft, die blaue Trikots trugen mit dem Abbild der kleinen wei\u00dfen Friedenstaube von Pablo Picasso.<\/h4>\n<h4>Ja, es stimmt, die Verantwortlichen im Staat DDR gaben sich gro\u00dfe M\u00fche, uns Kinder zu \u201eindoktrinieren\u201c. Aber nachdem zuvor jahrzehntelang Generationen von Kindern und Jugendlichen mit dem Gift der Verachtung gegen\u00fcber anderen V\u00f6lkern, mit Rassenhass und Antikommunismus indoktriniert worden waren \u2013 wof\u00fcr das deutsche Volk und fast alle V\u00f6lker Europas die Rechnung zu zahlen hatten \u2013, blieb denjenigen, die nun die F\u00fchrung des neuen Staates \u00fcbernommen hatten, keine Alternative, als uns von fr\u00fchester Jugend an mit dem Gedanken des Friedens und der Freundschaft zu anderen V\u00f6lkern vertraut zu machen.<\/h4>\n<h4>Die DDR, der erste Staat auf deutschem Boden, in dem den Kriegstreibern durch die Enteignung der Produktionsmittel die wirtschaftliche und die politische Macht genommen worden war, sollte ein Staat des Friedens sein \u2013 eine Anma\u00dfung, die uns die Enteigneten niemals verziehen haben.<\/h4>\n<h4>Nicht genug damit. In der DDR wurde auch eine Armee aufgestellt, um den errungenen Frieden zu sch\u00fctzen, der, das ist belegt, durchaus auch milit\u00e4risch bedroht war. Im Unterschied zur Armee der Bundesrepublik Deutschland wurde die Nationale Volksarmee der DDR jedoch nicht von Offizieren aufgebaut, die zuvor in der \u201eLegion Condor\u201c im Krieg gegen die Spanische Republik und dann in der faschistischen Wehrmacht Kriegserfahrungen, Dienstr\u00e4nge und Orden erworben hatten \u2013 sondern von gestandenen Antifaschisten. Viele von ihnen hatten in den Reihen der Internationalen Brigaden die Spanische Republik gegen die spanischen, deutschen und italienischen Faschisten verteidigt, andere waren politische Gefangene in den faschistischen Konzentrationslagern und Gef\u00e4ngnissen gewesen, einige von ihnen hatten sogar ihre milit\u00e4rischen Erfahrungen in den Reihen der Sowjetarmee im Kampf gegen den Faschismus gesammelt.<\/h4>\n<h4>F\u00fcr immer im Ged\u00e4chtnis bleiben wird mir jener kampferprobte Kommandeur, der uns eines Tages im Sommer 1971 in der Uniform eines Obersten der Grenztruppen der DDR gegen\u00fcber sa\u00df und aus seinem Leben berichtete. Er war 1936 als junger Kommunist dem Ruf der Kommunistischen Internationale zur Verteidigung der Spanischen Republik gefolgt, k\u00e4mpfte als Leutnant in einer Einheit der Interbrigaden. Nach der Niederlage der Republik gelang ihm die Flucht in die Sowjetunion, wo er nach dem \u00dcberfall Hitlerdeutschlands seinen Platz in den Reihen der Sowjetarmee fand und als Leutnant an der Befreiung seiner Heimat teilnahm. Sp\u00e4ter geh\u00f6rte er dann zu den Gr\u00fcndern der Nationalen Volksarmee der DDR.<\/h4>\n<h4>Er war sichtlich stolz darauf, Offizier in der ersten und einzigen Armee eines deutschen Staates zu sein, die niemals an einem Krieg gegen andere V\u00f6lker beteiligt war. Der berechtigte Stolz klang vor allem aus seinen Worten, die er uns zum Abschied sagte: \u201eIch war Soldat in drei Armeen \u2013 und jedes Mal in der richtigen!\u201c Welcher deutsche Offizier konnte so etwas von sich sagen?<\/h4>\n<h4>Auf dem Foto mit dem Wandbild aus den 50er Jahren ist die Stra\u00dfe zu sehen, die ein Dutzend Jahre zuvor noch \u201eAdolf-Hitler-Stra\u00dfe\u201c gehei\u00dfen hatte. Sie war inzwischen in \u201eHauptstra\u00dfe\u201c umbenannt worden. Deren \u00f6stliche Verl\u00e4ngerung hie\u00df zu Zeiten der DDR \u201eFriedensstra\u00dfe\u201c. Diesen Namen hat man irgendwann nach 1990 in \u201eSankt-Annen-Stra\u00dfe\u201c ge\u00e4ndert.<\/h4>\n<h4>In der letzten Strophe des Kinderliedes hei\u00dft es:<\/h4>\n<h4>\u201eUnd wir w\u00fcnschen f\u00fcr die Reise<\/h4>\n<h4>Freude und viel Gl\u00fcck.<\/h4>\n<h4>Kleine wei\u00dfe Friedenstaube,<\/h4>\n<h4>komm recht bald zur\u00fcck!\u201c<\/h4>\n<h4><em>* Uli Brockmeyer (Jahrgang 1951) wurde in Brandenburg an der Havel geboren, war Mitglied in FDJ und SED und Oberleutnant der Grenztruppen der DDR. Er studierte Au\u00dfenpolitik am Institut f\u00fcr Internationale Beziehungen der Akademie f\u00fcr Staats- und Rechtswissenschaften der DDR und arbeitete bis 1990 im Zentralrat der FDJ in der Abteilung f\u00fcr Internationale Verbindungen, auch als Vertreter der FDJ im B\u00fcro des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) in Budapest. Seit 2005 lebt er in Luxemburg und ist Redakteur der kommunistischen Tageszeitung \u201eZeitung vum L\u00ebtzebuerger Vollek\u201c und Mitglied des Exekutivkomitees der Kommunistischen Partei Luxemburgs.<\/em><\/h4>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.unsere-zeit.de\/abo\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Aus \u201eunsere zeit (UZ) \u2013 Zeitung der DKP\u201c vom 4. Oktober 2019<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind es leid! Die Propaganda-L\u00fcgen der Herrschenden machen wir nicht mit, denn wir wissen wof\u00fcr sie diese brauchen: Sie sollen den Menschen, die immer mehr begreifen, dass dieses kapitalistische System ihnen die Zukunft raubt, den Blick auf die wirkliche Alternative nehmen \u2013 auf den Sozialismus. Wir halten es (nicht nur) am 70. 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